Wann beginnt die Unabhängigkeit eines Landes? Mit einer Erklärung? Mit einem Referendum? Oder viel früher, in dem Augenblick, in dem Menschen beginnen, ihre politische Wirklichkeit selbst infrage zu stellen?

Der Dokumentarfilm „Unser Weg zur Unabhängigkeit“ blickt auf die Jahre 1988 bis 1991 zurück, auf eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Veränderungen in Armenien.

Ausgangspunkt ist die Bewegung, die sich seit Februar 1988 zunächst um die Frage Bergkarabachs, armenisch Arzach, formierte. Fast zwei Jahre lang blieben ihre Wortführer in der Frage der Unabhängigkeit zurückhaltend.

Unter den Tausenden Reden, die vom Podium des Freiheitsplatzes gehalten wurden, ist kaum ein Aufruf zur Unabhängigkeit zu finden. Im Rückblick jedoch wird sichtbar, dass die Bewegung von 1988 im Kern bereits ein Kampf um die Unabhängigkeit war.

Film Armenien · 2020
Dauer 57 Minuten
Sprache Armenisch · deutsche Untertitel
Autor Tigran Paskevichyan

Autor: Tigran Paskevichyan. Produziert im Auftrag des Öffentlichen Fernsehens Armeniens.

Der Film

Eine Gesellschaft in Bewegung

Mit umfangreichem historischem Material rekonstruiert Paskevichyan die politischen Ereignisse in Armenien, in Arzach und in der Region zwischen 1988 und 1991.

Dabei geht es nicht allein um Entscheidungen, Institutionen und historische Daten. Der Film zeigt eine Gesellschaft in Bewegung: Menschen versammeln sich auf Straßen und Plätzen, bisherige Gewissheiten verlieren ihre Selbstverständlichkeit, neue politische Vorstellungen entstehen.

Der 21. September 1991 gilt als Geburtstag der unabhängigen Republik Armenien. An diesem Tag stimmte die Bevölkerung in einem Referendum für den Austritt aus der Sowjetunion.

Der Weg dorthin war jedoch länger. Bereits am 23. August 1990 hatte der Oberste Rat die Unabhängigkeitserklärung angenommen, in der festgehalten wurde, dass die Armenische SSR aufgelöst und ein neuer Staat gebildet wird: die Republik Armenien.

Die vollständige Unabhängigkeit erlangte Armenien am 26. Dezember 1991 mit der Auflösung der Sowjetunion.

Paskevichyans Film setzt noch früher an. Seine Perspektive macht deutlich: Unabhängigkeit entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie ist ein Prozess.

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Armenien in den Jahren des politischen und gesellschaftlichen Aufbruchs

Geschichte und Erinnerung

Der Blick eines Beteiligten

Die besondere Perspektive des Films ist eng mit der Biografie seines Autors verbunden.

Tigran Paskevichyan war selbst Teil jener Bewegungen, die Armenien in den späten 1980er Jahren veränderten. Bereits während der Perestroika engagierte er sich in der Umweltbewegung und nahm an öffentlichen Protesten teil.

Von 1988 bis 1991 beteiligte er sich aktiv an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes, arbeitete im Umfeld der Armenischen Nationalbewegung und war an unabhängigen Publikationen beteiligt.

Jahrzehnte später blickt er als Journalist und Dokumentarfilmer auf eine Zeit zurück, die er nicht nur recherchiert, sondern selbst erlebt hat.

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Wer erzählt Geschichte? Und wie verändert sich unser Blick auf die Vergangenheit, wenn diejenigen zurückblicken, die selbst Teil dieser Geschichte waren?

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Bei der Entstehung eines neuen Staates bekommt das Wort neu eine sehr konkrete Bedeutung.

Doch Armenien begann 1991 nicht geschichtslos. Die Unabhängigkeit entstand aus Erfahrungen der Sowjetzeit, aus gesellschaftlichen Bewegungen, politischen Konflikten, Erwartungen und Entscheidungen.

Mit der staatlichen Unabhängigkeit entstanden neue Möglichkeiten und zugleich neue Verantwortung. Der Film blickt deshalb nicht nur zurück. Er lädt auch dazu ein, darüber nachzudenken, was politische Unabhängigkeit heute bedeutet.

Ein neuer Staat ist nicht das Ende einer Geschichte. Er ist der Beginn einer neuen.

Tigran Paskevichyan
Tigran Paskevichyan

Autor · Journalist · Dokumentarfilmer

Tigran Paskevichyan

Geboren 1965 in Jerewan

Tigran Paskevichyan ist Dichter, Schriftsteller, Journalist, Publizist und Dokumentarfilmer. Er studierte armenische Sprache und Literatur an der Staatlichen Universität Jerewan.

Bereits in den späten 1980er Jahren engagierte er sich in den gesellschaftlichen und politischen Bewegungen Armeniens. Gemeinsam mit Mitstreitern gründete er 1987 die Umweltorganisation Goyapaykar und war an unabhängigen Samisdat-Publikationen beteiligt.

Später arbeitete er im armenischen Fernsehen, für Print- und Onlinemedien sowie im Dokumentarfilm. 2010 gründete er gemeinsam mit Mitstreitern die Organisation Factum, die wenig bekannte Kapitel der armenischen Geschichte erforscht.

Seit 2020 ist er Chefredakteur des Nachrichten- und Analyseportals Aliq Media. Sein journalistisches und filmisches Werk bewegt sich an der Schnittstelle von persönlicher Erinnerung, historischen Quellen und öffentlicher Geschichtsdeutung.

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Dokumentarfilm und Autorengespräch

Termin und Veranstaltungsort

Termin

Sonntag, 18. Oktober 2026
16:00–17:30 Uhr

Film: 57 Minuten
anschließend Autorengespräch mit Tigran Paskevichyan

Veranstaltungsort

BW-Bank

Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

Film

Armenische Sprache mit deutschen Untertiteln

Gespräch

Das anschließende Gespräch wird in armenischer Sprache geführt und ins Deutsche übersetzt.

Moderation

Pfr. Dr. Diradur Sardaryan

Karten

Vorverkauf 9 Euro · ermäßigt 6 Euro · Abendkasse 12 Euro

Ermäßigt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung.

An der Abendkasse gibt es keine Ermäßigung.

Alle Preise sind Endpreise. Vorverkauf über Reservix.

Ausstellung

Die Werke Antoine Sevruguins und André Sevrugians können vor und nach der Veranstaltung besichtigt werden.

Während der Filmvorführung und des Gesprächs ist die Ausstellung nicht zugänglich.

Veranstaltungsort

BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

Barrierefreiheit

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Fotoaufnahmen

Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.

Eine Veranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg in Kooperation mit der BW-Bank.