Armenische Kulturtage Stuttgart 2026 · Dokumentarfilm
Unser Weg zur Unabhängigkeit
Dokumentarfilm und Autorengespräch mit Tigran Paskevichyan
Wann beginnt die Unabhängigkeit eines Landes? Mit einer Erklärung? Mit einem Referendum? Oder viel früher, in dem Augenblick, in dem Menschen beginnen, ihre politische Wirklichkeit selbst infrage zu stellen?
Der Dokumentarfilm „Unser Weg zur Unabhängigkeit“ blickt auf die Jahre 1988 bis 1991 zurück, auf eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Veränderungen in Armenien.
Ausgangspunkt ist die Bewegung, die sich seit Februar 1988 zunächst um die Frage Bergkarabachs, armenisch Arzach, formierte. Fast zwei Jahre lang blieben ihre Wortführer in der Frage der Unabhängigkeit zurückhaltend.
Unter den Tausenden Reden, die vom Podium des Freiheitsplatzes gehalten wurden, ist kaum ein Aufruf zur Unabhängigkeit zu finden. Im Rückblick jedoch wird sichtbar, dass die Bewegung von 1988 im Kern bereits ein Kampf um die Unabhängigkeit war.
Autor: Tigran Paskevichyan. Produziert im Auftrag des Öffentlichen Fernsehens Armeniens.
Der Film
Eine Gesellschaft in Bewegung
Mit umfangreichem historischem Material rekonstruiert Paskevichyan die politischen Ereignisse in Armenien, in Arzach und in der Region zwischen 1988 und 1991.
Dabei geht es nicht allein um Entscheidungen, Institutionen und historische Daten. Der Film zeigt eine Gesellschaft in Bewegung: Menschen versammeln sich auf Straßen und Plätzen, bisherige Gewissheiten verlieren ihre Selbstverständlichkeit, neue politische Vorstellungen entstehen.
Der 21. September 1991 gilt als Geburtstag der unabhängigen Republik Armenien. An diesem Tag stimmte die Bevölkerung in einem Referendum für den Austritt aus der Sowjetunion.
Der Weg dorthin war jedoch länger. Bereits am 23. August 1990 hatte der Oberste Rat die Unabhängigkeitserklärung angenommen, in der festgehalten wurde, dass die Armenische SSR aufgelöst und ein neuer Staat gebildet wird: die Republik Armenien.
Die vollständige Unabhängigkeit erlangte Armenien am 26. Dezember 1991 mit der Auflösung der Sowjetunion.
Paskevichyans Film setzt noch früher an. Seine Perspektive macht deutlich: Unabhängigkeit entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie ist ein Prozess.
Geschichte und Erinnerung
Der Blick eines Beteiligten
Die besondere Perspektive des Films ist eng mit der Biografie seines Autors verbunden.
Tigran Paskevichyan war selbst Teil jener Bewegungen, die Armenien in den späten 1980er Jahren veränderten. Bereits während der Perestroika engagierte er sich in der Umweltbewegung und nahm an öffentlichen Protesten teil.
Von 1988 bis 1991 beteiligte er sich aktiv an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes, arbeitete im Umfeld der Armenischen Nationalbewegung und war an unabhängigen Publikationen beteiligt.
Jahrzehnte später blickt er als Journalist und Dokumentarfilmer auf eine Zeit zurück, die er nicht nur recherchiert, sondern selbst erlebt hat.
Wer erzählt Geschichte? Und wie verändert sich unser Blick auf die Vergangenheit, wenn diejenigen zurückblicken, die selbst Teil dieser Geschichte waren?
Leitmotiv 2026 · „Siehe, ich mache alles neu“
Bei der Entstehung eines neuen Staates bekommt das Wort neu eine sehr konkrete Bedeutung.
Doch Armenien begann 1991 nicht geschichtslos. Die Unabhängigkeit entstand aus Erfahrungen der Sowjetzeit, aus gesellschaftlichen Bewegungen, politischen Konflikten, Erwartungen und Entscheidungen.
Mit der staatlichen Unabhängigkeit entstanden neue Möglichkeiten und zugleich neue Verantwortung. Der Film blickt deshalb nicht nur zurück. Er lädt auch dazu ein, darüber nachzudenken, was politische Unabhängigkeit heute bedeutet.
Ein neuer Staat ist nicht das Ende einer Geschichte. Er ist der Beginn einer neuen.
Dokumentarfilm und Autorengespräch
Termin und Veranstaltungsort
Termin
Sonntag, 18. Oktober 2026
16:00–17:30 Uhr
Film: 57 Minuten
anschließend Autorengespräch
mit Tigran Paskevichyan
Veranstaltungsort
BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart
Film
Armenische Sprache mit deutschen Untertiteln
Gespräch
Das anschließende Gespräch wird in armenischer Sprache geführt und ins Deutsche übersetzt.
Moderation
Pfr. Dr. Diradur Sardaryan
Karten
Vorverkauf 9 Euro · ermäßigt 6 Euro · Abendkasse 12 Euro
Ermäßigt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung.
An der Abendkasse gibt es keine Ermäßigung.
Alle Preise sind Endpreise. Vorverkauf über Reservix.
Ausstellung
Die Werke Antoine Sevruguins und André Sevrugians können vor und nach der Veranstaltung besichtigt werden.
Während der Filmvorführung und des Gesprächs ist die Ausstellung nicht zugänglich.
Veranstaltungsort
BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart
Barrierefreiheit
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.
Fotoaufnahmen
Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.


