Literatur · Lesung & Autorengespräch
Vom Himmel fielen drei Äpfel
Lesung und Autorengespräch mit Narine Abgarjan
Narine Abgarjan · Vom Himmel fielen drei Äpfel
Aus dem Russischen von Maria Rajer · List Verlag · 2026
Was bleibt von einem Ort, wenn fast alle gegangen sind? Und was hält Menschen am Leben, wenn sie glauben, ihre Geschichte sei eigentlich schon zu Ende?
In ihrem international erfolgreichen Roman „Vom Himmel fielen drei Äpfel“ führt Narine Abgarjan in das fiktive Bergdorf Maran. Einst lebten hier Hunderte Familien. Kriege, Dürre, Hunger, Naturkatastrophen und Abwanderung haben das Dorf beinahe entvölkert. Geblieben sind vor allem die Alten – Menschen, die ihre Häuser, ihre Erinnerungen und die Gräber ihrer Angehörigen nicht verlassen wollen.
Eine von ihnen ist die 58-jährige Anatolia. Eines Morgens ist sie überzeugt, dass ihr letzter Tag gekommen sei, und bereitet sich auf den Tod vor. Doch das Leben durchkreuzt ihre Pläne: Ihr Nachbar Wassili steht plötzlich vor der Tür – mit einer Sense als Geschenk und einem Heiratsantrag. Was wie ein Ende beginnt, wird zum Ausgangspunkt einer unerwarteten Liebesgeschichte und eines neuen Aufbruchs.
Der Roman
Ein Dorf zwischen Erinnerung und Weiterleben
Abgarjan erzählt die Geschichten der Bewohner von Maran in vielen miteinander verwobenen Episoden: von Liebe und Einsamkeit, Geburt und Tod, Krankheit und Fürsorge, von alten Bräuchen, Träumen und kleinen Katastrophen des Alltags.
Tote erscheinen im Schlaf, Vorahnungen können Leben retten und Wunder gehören beinahe selbstverständlich zur Wirklichkeit. So verbindet der Roman armenische Erzähltradition mit Elementen des magischen Realismus.
Dabei ist Maran mehr als nur Schauplatz. Das Dorf wird zu einer eigenen kleinen Welt, in der niemand ganz für sich allein lebt. Viele Bräuche, Speisen und Landschaftsbilder des Romans verweisen auf Tawusch im Nordosten Armeniens, die Region, aus der Narine Abgarjan selbst stammt. Maran ist erfunden – und trägt dennoch die Erfahrungen einer konkreten armenischen Lebenswelt in sich.
Die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts bleibt dabei bewusst im Hintergrund. Abgarjans Blick richtet sich auf die Menschen: auf ihre Verletzlichkeit, ihren Humor, ihre Sturheit und ihre Fähigkeit, trotz Verlust weiterzumachen.
Drei Äpfel für eine Geschichte
Schon der Titel führt tief in die armenische Erzählkultur. Er nimmt eine traditionelle Schlussformel armenischer Märchen und Sagen auf:
Ein Apfel für den, der gesehen hat.
Ein Apfel für den, der erzählt hat.
Und ein Apfel für den, der verstanden hat.
Der Roman handelt damit nicht nur von einem Dorf. Er handelt auch von der Kraft des Erzählens: Geschichten bewahren Menschen und Orte vor dem Vergessen. Und sie ermöglichen demjenigen, der zuhört, eine fremde Lebenswelt zu verstehen.
Das Neue beginnt nicht erst, wenn alles Alte hinter uns liegt. Manchmal beginnt es mitten darin.
Gerade darin berührt „Vom Himmel fielen drei Äpfel“ das Leitmotiv der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026: „Siehe, ich mache alles neu.“
Bei Narine Abgarjan entsteht das Neue nicht dadurch, dass das Vergangene verschwindet. Die Toten bleiben gegenwärtig, Erinnerungen werden weitererzählt und alte Verletzungen gehören zum Leben. Und dennoch können Liebe, Gemeinschaft und neue Hoffnung beginnen.
Die Autorin
Narine Abgarjan
Termin
Lesung & Autorengespräch
Samstag, 17. Oktober 2026
16:00–17:30 Uhr
[Eintritt / Anmeldung ergänzen]
Veranstaltungsort
BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart
Eine Veranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg in Kooperation mit der BW-Bank und dem List Verlag / Ullstein Buchverlage.



