Literatur · Lesung und Autorengespräch

Vom Himmel fielen drei Äpfel

Lesung und Autorengespräch mit Narine Abgarjan

Narine Abgarjan: Vom Himmel fielen drei Äpfel. Aus dem Russischen von Maria Rajer. List Verlag, 2026. 300 Seiten. ISBN 978-3-471-36086-6
Buchcover Vom Himmel fielen drei Äpfel von Narine Abgarjan

Narine Abgarjan · Vom Himmel fielen drei Äpfel
Aus dem Russischen von Maria Rajer · List Verlag · 2026

Was bleibt von einem Ort, wenn fast alle gegangen sind? Und was hält Menschen am Leben, wenn sie glauben, ihre Geschichte sei eigentlich schon zu Ende?

In ihrem international erfolgreichen Roman „Vom Himmel fielen drei Äpfel“ führt Narine Abgarjan in das fiktive Bergdorf Maran. Einst lebten hier rund fünfhundert Familien. Kriege, Dürre, Hunger, Naturkatastrophen und Abwanderung haben das Dorf beinahe entvölkert.

Geblieben sind vor allem die Alten, Menschen, die ihre Häuser, ihre Erinnerungen und die Gräber ihrer Angehörigen nicht verlassen wollen.

Eine von ihnen ist die 58-jährige Anatolia. Eines Morgens ist sie überzeugt, dass ihr letzter Tag gekommen sei, und bereitet sich gefasst auf den Tod vor. Doch das Leben durchkreuzt ihre Pläne.

Ihr Nachbar Wassili steht plötzlich vor der Tür, mit einem Geschenk und einem Heiratsantrag. Was wie ein Ende beginnt, wird zum Ausgangspunkt einer unerwarteten Liebesgeschichte und eines neuen Aufbruchs.

Der Roman

Ein Dorf zwischen Erinnerung und Weiterleben

Abgarjan erzählt die Geschichten der Bewohner von Maran in vielen miteinander verwobenen Episoden: von Liebe und Einsamkeit, Geburt und Tod, Krankheit und Fürsorge, von alten Bräuchen, Träumen und kleinen Katastrophen des Alltags.

Tote erscheinen im Schlaf, Vorahnungen können Leben retten, weiße Pfauen kündigen Geburten an, und Wunder gehören beinahe selbstverständlich zur Wirklichkeit. So verbindet der Roman armenische Erzähltradition mit Elementen des magischen Realismus.

Dabei ist Maran mehr als nur Schauplatz. Das Dorf wird zu einer eigenen kleinen Welt, in der niemand ganz für sich allein lebt. Viele Bräuche, Speisen und Landschaftsbilder verweisen auf Tawusch im Nordosten Armeniens, die Region, aus der Narine Abgarjan selbst stammt.

Maran ist erfunden und trägt dennoch die Erfahrungen einer konkreten armenischen Lebenswelt in sich.

Die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts bleibt bewusst im Hintergrund. Abgarjans Blick richtet sich auf die Menschen: auf ihre Verletzlichkeit, ihren Humor, ihre Sturheit und ihre Fähigkeit, trotz Verlust weiterzumachen.

Armenische Erzähltradition

Drei Äpfel für eine Geschichte

Schon der Titel führt tief in die armenische Erzählkultur. Er nimmt eine traditionelle Schlussformel armenischer Märchen und Sagen auf:

Ein Apfel für den, der gesehen hat.

Ein Apfel für den, der erzählt hat.

Und ein Apfel für den, der verstanden hat.

Der Roman handelt damit nicht nur von einem Dorf. Er handelt auch von der Kraft des Erzählens. Geschichten bewahren Menschen und Orte vor dem Vergessen, und sie ermöglichen es dem, der zuhört, eine fremde Lebenswelt zu verstehen.

Leitmotiv der Armenischen Kulturtage 2026

Das Neue beginnt nicht erst, wenn alles Alte hinter uns liegt. Manchmal beginnt es mitten darin.

Gerade darin berührt „Vom Himmel fielen drei Äpfel“ das Leitmotiv der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5).

Bei Narine Abgarjan entsteht das Neue nicht dadurch, dass das Vergangene verschwindet. Die Toten bleiben gegenwärtig, Erinnerungen werden weitererzählt, alte Verletzungen gehören zum Leben. Und dennoch können Liebe, Gemeinschaft und neue Hoffnung beginnen.

Die Autorin

Narine Abgarjan

Narine Abgarjan
Narine Abgarjan

Narine Abgarjan, 1971 in Berd in der nordarmenischen Region Tawusch geboren, studierte auf Lehramt an der Staatlichen Universität für Linguistik in Jerewan.

Sie veröffentlichte zahlreiche Romane und preisgekrönte Kinderbücher und gehört heute zu den international bekanntesten armenischen Gegenwartsautorinnen.

„Vom Himmel fielen drei Äpfel“ wurde in 23 Sprachen übersetzt und mit dem renommierten Jasnaja-Poljana-Literaturpreis ausgezeichnet. Wegen regimekritischer Äußerungen der Autorin wurden ihre Bücher aus russischen Bibliotheken verbannt.

Narine Abgarjan schreibt auf Russisch. Sie lebt in Armenien und in Deutschland.

Lesung und Autorengespräch

Termin & Veranstaltungsort

Termin

Samstag, 17. Oktober 2026
16:00–17:30 Uhr

Veranstaltungsort

BW-Bank

Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

16:00 Uhr

Lesung und Autorengespräch mit Narine Abgarjan
Veranstaltung auf Armenisch und Deutsch

Ab 17:00 Uhr

Gelegenheit, das Buch zu erwerben und signieren zu lassen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Ausstellung „Bilder über Grenzen hinweg“ zu besuchen.

Sprachen

Armenisch und Deutsch

Deutsche Buchübersetzung

Der Roman „Vom Himmel fielen drei Äpfel“ wurde von Maria Rajer aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt.

Lesung & Gespräch

Die Veranstaltung findet auf Armenisch und Deutsch statt.

Moderation

Pfr. Dr. Diradur Sardaryan

Karten

Vorverkauf 12 Euro · ermäßigt 7 Euro · Abendkasse 14 Euro

Ermäßigt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung.

An der Abendkasse gibt es keine Ermäßigung.

Alle Preise sind Endpreise. Vorverkauf über Reservix.

Ausstellung

Die Werke Antoine Sevruguins und André Sevrugians können vor und nach der Veranstaltung besichtigt werden.

Während der Lesung und des Autorengesprächs ist die Ausstellung nicht zugänglich.

Veranstaltungsort

BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

Barrierefreiheit

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Fotoaufnahmen

Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.

Eine Veranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg in Kooperation mit der BW-Bank.