Ausstellung · Eröffnung · Vernissage

Bilder über Grenzen hinweg

Werke von André „Darvish“ Sevrugian zwischen Persien, Armenien und Stuttgart – im Kontext des fotografischen Erbes seines Vaters Antoine Sevruguin

Eröffnung der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026 mit Vernissage

Die Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026 beginnen unter dem Leitmotiv „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5) mit einer Ausstellung von Gemälden und Miniaturen André „Darvish“ Sevrugians. Seine Kunst führt von Persien über Armenien bis nach Stuttgart und trägt zugleich die Geschichte einer außergewöhnlichen armenisch-iranischen Künstlerfamilie in sich.

Die Ausstellung

Werke von André „Darvish“ Sevrugian

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Gemälde und Miniaturen André „Darvish“ Sevrugians. In seinem Werk begegnen sich persische Literatur und Bildtradition, armenische Geschichte, christliche Motive und europäische künstlerische Einflüsse.

Seine Arbeiten führen von den großen Stoffen der persischen Dichtung – insbesondere dem Schahname des Firdausi – bis zu armenischen historischen, literarischen und biblischen Themen. Sie erzählen von einem Künstler, dessen Leben und Werk selbst zwischen Kulturen, Sprachen und Ländern verliefen.

Schahname-Illustration von André Darvish Sevrugian
André „Darvish“ Sevrugian, 1924–1934.
Illustration aus dem Schahname: Fariborz spaltet Golbad den Schädel.
Privatbesitz Dr. E. Sevrugian
Armenisches Gemälde von André Darvish Sevrugian
André „Darvish“ Sevrugian · Armenische Malerei.
Privatbesitz Dr. E. Sevrugian

Vater und Sohn

Eine Künstlerfamilie zwischen Persien, Armenien und Europa

Um André Sevrugians Kunst zu verstehen, lohnt sich der Blick auf die außergewöhnliche Geschichte seiner Familie. Sie beginnt mit seinem Vater Antoine Sevruguin – einem der bedeutenden Fotografen Persiens an der Schwelle zur Moderne.

Antoine-Khan Sevruguin um 1930
Antoine-Khan Sevruguin, ca. 1930.
Foto: Mary Badni-Sevrugian.
Privatbesitz Dr. E. Sevrugian

Der Vater · Ein fotografisches Erbe

Antoine Sevruguin (1851–1933) gehört zu den bedeutenden frühen Fotografen Persiens. Naser ad-Din Schah berief ihn zu einem seiner offiziellen Hoffotografen und verlieh ihm den Titel „Khan“.

Mit seiner Kamera hielt er Herrscher und einfache Menschen, Frauen und Derwische, Landschaften, Architektur und archäologische Stätten fest. Seine Fotografien wurden zu einem vielschichtigen visuellen Gedächtnis Persiens im Wandel.

Für diese Ausstellung ist Antoine Sevruguin als Vater, Wegbereiter und Teil jener Familiengeschichte präsent, aus der André Sevrugians Kunst hervorging. Ausgestellt werden Gemälde und Miniaturen André „Darvish“ Sevrugians.

André Darvish Sevrugian 1934
André „Darvish“ Sevrugian mit dem Orden für Kulturverdienste im Ferdousi-Jahr, 1934.
Fotograf unbekannt.
Privatbesitz Dr. E. Sevrugian

Der Sohn · Ein eigener künstlerischer Weg

André Sevrugian (1894–1996), in der Kunstgeschichte auch unter dem Beinamen „Darvish“ bekannt, entwickelte aus diesem kulturellen Erbe eine unverwechselbare eigene Bildsprache. Das gilt bis hinein in den Familiennamen, dessen armenische Form er wieder aufnahm.

In seinen Gemälden und Miniaturen begegnen sich persische Literatur und Bildtradition, armenische Geschichte und europäische Kunst.

Bekannt wurde er vor allem durch seine Illustrationen zum Schahname, dem Königsbuch des Firdausi, sowie durch seine bildnerischen Arbeiten zur Dichtung Omar Chajjams und Hafis’.

Später rückten armenische historische, literarische und christliche Themen zunehmend in den Mittelpunkt seines Schaffens.

Stuttgart wurde zu einem wichtigen Ort seines späteren Lebens und Wirkens. Hier starb er am 17. Dezember 1996.

Eine besondere Verbindung nach Baden-Württemberg

Die Ausstellung macht zugleich eine besondere Verbindung nach Baden-Württemberg sichtbar: Emanuel Sevrugian, Sohn André Sevrugians und Enkel Antoine Sevruguins, übergab der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg mit der Nachlassvereinbarung vom 3. April 2023 einhundertdrei Gemälde zu biblischen und armenischen Motiven.

Er wollte sie bewahrt und an kommende Generationen weitergegeben wissen. Am 31. August 2025 ist Emanuel Sevrugian in Heidelberg gestorben. Die Ausstellung erinnert an ihn und an das, was er der Gemeinde anvertraut hat.

Leitmotiv der Armenischen Kulturtage 2026

Neues entsteht nicht dadurch, dass Herkunft vergessen wird. Es kann dort entstehen, wo Menschen Tradition bewahren, weiterdenken und unterschiedliche kulturelle Erfahrungen miteinander in Beziehung setzen.

Die Geschichte der Sevrugians zeigt zugleich, welche verbindende Kraft Kunst und Kultur entfalten können. Sie schaffen Räume der Begegnung, eröffnen neue Perspektiven und können Türen der Verständigung offenhalten, gerade dort, wo politische oder gesellschaftliche Grenzen Menschen voneinander entfernen.

Vortrag zur Ausstellung

Dr. Yvette Tajarian

Dr. Yvette Tajarian, Leiterin des Museums des Matenadaran in Jerewan und Mitglied des Vorstandes der Sevrugian Stiftung
Dr. Yvette Tajarian

Kunsthistorikerin
Leiterin des Museums des Matenadaran, Jerewan
Mitglied des Vorstandes der Sevrugian Stiftung

Dr. Yvette Tajarian forscht seit vielen Jahren zum Werk von Antoine Sevruguin und André Sevrugian und hat mehrere Ausstellungen zu ihrem Schaffen kuratiert. Als Mitglied des Vorstandes der Sevrugian Stiftung ist sie zudem eng mit der Bewahrung, wissenschaftlichen Erschließung und Vermittlung des künstlerischen Erbes der Familie Sevrugian verbunden.

Zur Eröffnung führt sie in das ausgestellte Werk André „Darvish“ Sevrugians ein und zeichnet zugleich die Familien- und Kunstgeschichte nach, die ihn mit seinem Vater Antoine Sevruguin verbindet.

Sprache des Vortrags: Armenisch mit deutscher Übersetzung.

Musik

Duo Manima

Duo Manima: Astghik Matinyan an der Violine und Areg Hakobyan an der Gitarre
Duo Manima
Astghik Matinyan · Violine
Areg Hakobyan · Gitarre

Astghik Matinyan · Violine
Areg Hakobyan · Gitarre

Das Duo Manima verbindet unterschiedliche Zeiten und Klangwelten zu einem Dialog von Violine und Gitarre. Für die beiden Musiker armenischer Herkunft ist die Weitergabe armenischer Musik mit ihrer rhythmischen Kraft, ihrer Melancholie und ihrer erzählerischen Tiefe ein besonderes Anliegen.

Auch musikalisch greift der Eröffnungsabend das Leitmotiv der Kulturtage auf. Mit Komitas und Astor Piazzolla begegnen sich zwei Komponisten, die überlieferte musikalische Traditionen aufnahmen und daraus neue Ausdrucksformen entwickelten.

Termin

Eröffnung und Vernissage

Donnerstag, 15. Oktober 2026
18:30 Uhr · Einlass
19:00 Uhr · Beginn

Eintritt frei. Aus Sicherheitsgründen ist eine Anmeldung bis zum 10. Oktober 2026 erforderlich.

kultur@agbw.org

Ausstellung

Freitag bis Sonntag, 16. bis 18. Oktober 2026
täglich 17:00–19:00 Uhr

Eintritt frei.
Keine Anmeldung erforderlich.

BW-Bank
Kleiner Schlossplatz 11
70173 Stuttgart

Barrierefreiheit

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Foto & Film

Während der Veranstaltung entstehen Foto- und Filmaufnahmen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, wendet sich bitte vor Beginn an das Team am Empfang.

Eine Veranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg in Kooperation mit der Sevrugian Stiftung, dem Matenadaran, Mesrop-Maschtoz-Institut für alte Handschriften , und der BW-Bank.