Sergej Paradjanow

von Karekin Sakojian

Am 9. Januar 1924 wurde Sergei Iosifowitsch Paradschanow (armenische Sargis Paraschanian) in Tbilisi (Tiflis) geboren. Nach Beendigung der Schule begann er 1943 ein Studium am Transkaukasischen Institut für Verkehrsingenieure, nahm einige Zeit Gesangunterricht am Konservatorium in Tbilisi und erhielt eine Ausbildung am Studio für Choreographie des dortigen Opern- und Ballett-Theaters.

1946 ging er nach Moskau und schrieb sich an der Staatlichen Filmhochschule WGIK ein. Von 1946 bis 1951 belegte er das Fach Regie, zuerst in der Klasse von Igor Sawtschenko, dann bei Alexander Dowschenko.

Als Regisseur debütierte er 1954 mit dem Film Andreisch, den ersten selbständigen Spielfilm, Der beste Kerl, drehte er 1959. Der 1964 gedrehte Film Schatten vergessener Ahnen brachte dem Regisseur weltweite Anerkennung. In der Sowjetunion begannen zunehmende Behinderungen seiner filmischen Arbeit.

Im Stadium der Probeaufnahmen stoppte die Redaktionszensur den Film Die Kiewer Fresken. Paradschanow wurde in der ukrainischen Presse angeprangert und des „extremen Mystizismus und Subjektivismus“ angeklagt, was in jener Zeit einer politischen Anklage gleichkam. In den folgenden Jahren lehnte das Kiewer Filmstudio nacheinander vier Drehbücher Paradschanows ab, darunter Intermezzo – nach einer Erzählung von Kozjubinski – und Das Wunder in Odense – nach den Märchen von Andersen. Bereits die Probeaufnahmen zu diesem Film wurden gestoppt. Seit 1966 arbeitete Sergei Paradschanow in Yerevan.

Im Jahre 1967 drehte er im Yerevaner Studio für Dokumentarfilm den Film Hakob Hovnathanian, und 1968 schloss er seine Arbeit am Film Farbe des Granatapfels (Sayat Nova) im Filmstudio Armenfilm ab, in dem künstlerische Werte und ästhetische Prinzipien von Schatten vergessener Ahnen weiterentwickelt und vervollkommnet wurden. Diesem Film war jedoch ein bitteres Los beschieden. Die Leitung des Goskino der UdSSR verlieh ihm die niedrigste Kategorie, was das Schicksal des Films vorherbestimmte und seine internationale Rezeption verhinderte. Mehr noch, die Regisseur Sergej Jutkewitsch wurde beauftragt, den Film neu zu schneiden. Das Original des Filmautors hat sich nur in armenischer Fassung erhalten.

Während der Arbeit am Film Wunder in Odense (Filmstudio Armenfilm), der dem großen Märchendichter Hans Christian Andersen gewidmet war, wurde Sergei Paradschanow 1973 in der Ukraine verhaftet, des Schwarzhandels mit Antiquitäten, der Homosexualität und der Anstiftung zum Selbstmord beschuldigt und zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Er verbüßte von Dezember 1973 bis Mai 1978 die Haftstrafe in einem Lager strengen Regimes. Seine Filme wurden nicht gezeigt, es war sogar verboten, seinen Namen zu erwähnen. Nach hartnäckigen Gesuchen, Briefen, Telegrammen, Bittschriften an den Obersten Gerichtshof der UdSSR und der Ukraine und an die sowjetische Regierung, die von bedeutenden Filmschaffenden, Schriftstellern, Künstlern unterzeichnet waren, und nicht zuletzt durch eine Initiative Louis Aragons wurde Paradschanow 1977 vorzeitig aus der Haft entlassen und kehrt nach Tiflis zurück. Bis 1983 fand Paradschanow weder in Tiflis noch in Yerevan Arbeit im Filmbetrieb. 1982 wurde er erneut für mehrere Monate inhaftiert. Von 1983 bis 1988 arbeitete Sergei Paradschanow im Filmstudio Grusia Film, wo er die Filme Die Legende der Suram-Festung (1985), Pirosmani (1986), Aschik-Kerib (1988) drehte.

Sergei Paradschanow ist Drehbuchautor der meisten seiner Filme. Viele Drehbücher, darunter Ara der Schöne und Davit von Sassun, die nach Motiven des armenischen Epos geschrieben sind, wurden nicht realisiert.

Von großem künstlerischen Wer sind auch Arbeiten Sergei Paradschanows auf dem Gebiet der bildenden Kunst: Collagen, Assemblagen, Keramik, Puppen, Graphik, Malerei. Die erste Ausstellung dieser Arbeiten wurde 1985 im Tiflis Kinohaus veranstaltet, 1988 und 1990 fanden zwei Ausstellungen im Staatlichen Museum für Volkskunst in Yerevan statt.

1989 begann Sergei Paradschanowmit seiner Arbeit am autobiographischen Film Bekenntnis im Filmstudio Armenfilm. Diesen Film konnte der Regisseur wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes nicht mehr beenden.

Sergei Paradschanow starb am 20. Juli 1990 in Yerevan.

1991 wurde das Paradschanow-Museum in Yerevan eröffnet.


Karekin Sakojian, Auszug aus dem „Bekenntnis Sergei Paraschanows“, S. 429 – 430, in Armenien, Wiederentdeckung einer alten Kulturlandschaft, Museum Bochum, 1995. 

Maestro95 – Hommage an Sergei Paradschanow