Kunstgeschichte · Vortrag
Die Welt der armenischen Handschriften
Miniaturmalerei, Skriptorien und kulturelles Gedächtnis
Vortrag mit Dr. Yvette Tajarian
Leiterin des Museums des Matenadaran, Jerewan
Wie entsteht aus Schrift ein Bild – und wie wird aus einem Buch ein kulturelles Gedächtnis?
Armenische Handschriften sind weit mehr als Träger alter Texte.
In ihnen begegnen sich Sprache und Malerei, Theologie und Geschichte, persönliche Frömmigkeit und künstlerische Vorstellungskraft. Miniaturen, Ornamente, Initialen und aufwendig gestaltete Einbände erzählen von den Menschen, die diese Bücher geschrieben, gemalt, gebunden, bewahrt und über Jahrhunderte weitergegeben haben.
Der Vortrag von Dr. Yvette Tajarian führt in diese außergewöhnliche Welt der armenischen Handschriften und ihrer Miniaturmalerei ein.
Schrift und Bild
Wie bildeten sich die verschiedenen armenischen Miniaturschulen heraus? Welche Geschichten und Glaubensvorstellungen verbergen sich in den Bildern der Handschriften? Und weshalb konnten sich an unterschiedlichen Orten jeweils eigene künstlerische Ausdrucksformen entwickeln?
Anhand ausgewählter Beispiele zeigt Yvette Tajarian, wie eng Text und Bild in der armenischen Handschriftenkultur miteinander verbunden sind.
Jede der vorgestellten Handschriften wurde aufgrund ihres Inhalts, der Besonderheit ihrer Illustrationen und ihrer historischen Bedeutung ausgewählt.
Dabei geht es nicht allein um große Miniaturen. Auch Ornamente, Seitengestaltung, Schrift und Einband gehören zum Kunstwerk Handschrift.
Manuskriptkultur
Skriptorien und armenische Kulturzentren
Handschriften entstanden nicht an einem einzigen Ort.
Über Jahrhunderte bildeten Klöster, Kirchen, Schulen und Skriptorien Zentren des Schreibens und der Buchkunst. Auch armenische Gemeinschaften außerhalb der historischen armenischen Kerngebiete spielten eine wichtige Rolle bei der Bewahrung und Weiterentwicklung dieser Kultur.
Der Vortrag fragt deshalb auch danach, wie Wanderung, Begegnung und neue Lebensräume die armenische Buchkunst geprägt haben – und wie Handschriften selbst zu Zeugen einer weit verzweigten armenischen Kulturgeschichte wurden.
Buchkunst
Ein Buch als Kunstwerk
Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Einbänden armenischer Handschriften.
Sie dienten nicht nur dem Schutz der kostbaren Seiten. Durch Lederarbeiten, Metallbeschläge, Kreuze, figürliche Darstellungen und Ornamente konnten auch die Außenseiten eines Buches zu eigenständigen Kunstwerken werden.
So erschließt sich die Handschrift als Ganzes: als Text, Bild, materielles Objekt und Zeugnis einer bestimmten Zeit.
Leitmotiv 2026 · „Siehe, ich mache alles neu“
Auch die Geschichte der Handschrift ist eine Geschichte der Erneuerung.
Ein alter Text wurde abgeschrieben, neu gestaltet und mit Bildern versehen. Überlieferte Motive wurden aufgenommen und in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort und von einer anderen Hand neu interpretiert.
Das Neue entstand dabei nicht durch das Vergessen des Überlieferten, sondern durch seine Weitergabe.
Vielleicht liegt gerade darin eine der großen Leistungen der armenischen Handschriftenkultur: Sie bewahrt Erinnerung, indem sie sie immer wieder neu gestaltet.
Die Referentin
Dr. Yvette Tajarian
Kunsthistorikerin · Leiterin des Museums des Matenadaran, Jerewan
Yvette Tajarian ist Kandidatin der Kunstwissenschaften. Sie leitet das Museum des Matenadaran, des Mesrop-Maschtoz-Instituts für alte Handschriften in Jerewan, forscht dort als leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Orientalistik und ist Dozentin an der Staatlichen Universität Jerewan.
Ihre wissenschaftliche und kuratorische Arbeit verbindet Forschung mit der Aufgabe, Kunstwerke und historische Zeugnisse für ein heutiges Publikum zugänglich zu machen.
Im Rahmen der Armenischen Kulturtage Stuttgart führt sie anhand ausgewählter Beispiele in die künstlerische und kulturgeschichtliche Welt armenischer Handschriften ein.
Kunstgeschichte · Vortrag
Termin und Veranstaltungsort
Termin
Freitag, 16. Oktober 2026
16:30–17:30 Uhr
Vortrag mit Dr. Yvette Tajarian
Veranstaltungsort
BW-Bank Stuttgart
Königstraße
Stuttgart
Eintritt frei
Ausstellung
Im Anschluss an den Vortrag kann die Ausstellung „Bilder über Grenzen hinweg – Antoine Sevruguin und André Sevrugian zwischen Persien, Armenien und Stuttgart“ besichtigt werden.
Die Ausstellung ist an diesem Freitag bis 19:00 Uhr geöffnet.
Während des Vortrags ist die Ausstellung nicht zugänglich.
Referentin
Dr. Yvette Tajarian, Leiterin des Museums des Matenadaran, Jerewan
Eintritt
Frei



