Literatur · Buchpräsentation und Gespräch
Jerewan
Eine Stadt zwischen Erinnerung und Entwurf
Foto: Serouj Ourishian · CC BY-SA 3.0
Mkrtitsch Armen · Jerewan
Ein wiederentdeckter Roman über Stadt, Erinnerung und Fortschritt
Was bleibt von einer Stadt, wenn man sie neu erfinden will?
Jerewan in den 1920er Jahren. Die junge sowjetische Hauptstadt soll vermessen, abgerissen und neu gebaut werden. Aus verwinkelten Gassen, Lehmhäusern, Gärten und alten Quartieren soll eine moderne Metropole entstehen.
Der Architekt Arschak Budarjan kehrt aus Leningrad zurück, um an diesem neuen Jerewan mitzubauen. Doch je näher er seiner Aufgabe kommt, desto grundsätzlicher wird die Frage, vor der er steht.
Muss Fortschritt das Alte beseitigen – oder kann eine moderne Stadt aus ihrer eigenen Erinnerung heraus entstehen?
Die Stadt als Erinnerung
Jerewan wird zum Protagonisten
Mkrtitsch Armen macht daraus keinen nüchternen Architekturroman. Sein Jerewan lebt.
Straßen scheinen sich zu bewegen, Häuser besitzen beinahe ein Eigenleben, Erinnerungen überlagern die Gegenwart, Traum und Wirklichkeit gehen ineinander über.
Teestuben und Badehäuser, Innenhöfe und Gassen, Kamelglocken, Musik und vertraute Formen einer alten Stadtwelt tauchen noch einmal auf – oft gerade in dem Augenblick, in dem sie bereits verschwinden.
Das alte Jerewan wird bei Armen deshalb nicht lediglich beschrieben. Es wird zu einem Klang- und Erinnerungsraum.
Der Autor
Mkrtitsch Armen
Schriftsteller · Drehbuchautor · Journalist
Mkrtitsch Armen, mit bürgerlichem Namen Mkrtitsch Harutyunyan, wurde 1906 in Alexandropol, dem heutigen Gjumri, geboren.
Er studierte Filmdrehbuch am Gerassimow-Institut für Kinematographie in Moskau und arbeitete zunächst als Lehrer in sogenannten „Lesehütten“, die der Alphabetisierung dienten.
Früh veröffentlichte Armen Romane und Kurzgeschichten. 1937 wurde er jedoch als sogenannter „Volksfeind“ verhaftet und nach Sibirien verbannt. Acht Jahre verbrachte er dort in Haft und Verbannung.
Nach seiner Rehabilitierung setzte er seine literarische Arbeit fort. Er schrieb Romane, Novellen, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte und arbeitete außerdem als Journalist und Drehbuchautor.
1972 starb Mkrtitsch Armen in Jerewan.
Ein Roman gegen das Vergessen
Verboten, vergessen, wiederentdeckt
Mkrtitsch Armen begann Jerewan 1927. Der Roman erschien 1931.
Bereits kurz darauf geriet das Werk unter politischen Druck und wurde 1932 verboten. Seine Mehrdeutigkeit, seine ästhetische Eigenständigkeit und sein Interesse an der kulturellen Identität der Stadt passten nicht zu einer zunehmend eindeutigen sozialistischen Fortschrittserzählung.
Jahrzehntelang blieb der Roman weitgehend vergessen. Erst im 21. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt; 2016 erschien erneut eine armenische Ausgabe.
2026 erscheint „Jerewan“ erstmals in deutscher Übersetzung.
Damit kehrt nicht nur ein bedeutender literarischer Text zurück. Wieder hörbar wird auch eine Stimme aus einer Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist: Wie kann eine Moderne entstehen, ohne ihre eigene Erinnerung zu verlieren?
Die Übersetzerin
Susanna Yeghoyan
Übersetzerin · Germanistin
Susanna Yeghoyan studierte Germanistik in Armenien sowie Übersetzen und Dolmetschen in Graz.
Heute lehrt sie am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft in Graz im Fachbereich Russisch.
Sie übersetzt Literatur aus dem Armenischen ins Deutsche.
Mit „Jerewan“ hat sie einen sprachlich außerordentlich anspruchsvollen Roman erstmals für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich gemacht.
Armens Sprache ist bildhaft, rhythmisch und ironisch, geprägt von Perspektivwechseln, Traumsequenzen und überraschenden Brüchen. Die Übersetzung macht gerade diese Eigenheiten auch im Deutschen erfahrbar.
Stimmen zum Buch
Über „Jerewan“
Deutschlandfunk Kultur · Stephanie von Oppen
„Die bildreiche und kreative Sprache des studierten Drehbuchautors Armen entwickelt einen geradezu filmischen Sog.“
Buchkultur · Alexander Kluy
„Ein Buch, das Jerewan auf die Karte der Hochliteratur setzt.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung · Tilman Spreckelsen
„Jerewan, das alte und das neue, haben durch Armen ein Denkmal erhalten, wie es lebendiger kaum vorstellbar ist.“
Leitmotiv 2026 · „Siehe, ich mache alles neu“
Kaum ein Buch im Programm der Armenischen Kulturtage 2026 berührt das Leitmotiv so unmittelbar wie „Jerewan“.
Die Stadt soll neu werden. Alte Häuser werden abgerissen, Straßen neu gezogen, neue Formen des Wohnens und Lebens entworfen.
Doch Mkrtitsch Armen stellt schon vor beinahe hundert Jahren die entscheidende Gegenfrage:
Was geschieht, wenn das Neue nur entstehen kann, indem das Gedächtnis des Alten ausgelöscht wird?
Sein Roman entscheidet sich weder für Stillstand noch gegen Veränderung. Er sucht nach etwas Schwierigerem: nach einer Moderne mit Erinnerung.
Denn eine Stadt besteht nicht nur aus Gebäuden. Sie besteht aus Geschichten, Sprachen, Geräuschen, Beziehungen und Erinnerungen.
Das Neue muss nicht aus dem Vergessen entstehen. Es kann aus Erinnerung wachsen.
Das Buch
Mkrtitsch Armen · Jerewan
Autor
Mkrtitsch Armen
Titel
Jerewan
Übersetzung
Aus dem Armenischen von Susanna Yeghoyan
Nachwort
Susanna Yeghoyan
Verlag
Guggolz Verlag · Berlin · 2026
Umfang
347 Seiten · gebunden
Literatur · Buchpräsentation und Gespräch
Termin, Ort und Karten
Termin
Samstag, 24. Oktober 2026
14:00 Uhr
Mkrtitsch Armen · Jerewan
Buchpräsentation und Gespräch
mit Susanna Yeghoyan
Veranstaltungsort
Silcher-Saal
Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle
Berliner Platz 1
70174 Stuttgart
Karten
Vorverkauf 12 Euro · ermäßigt 7 Euro · Abendkasse 14 Euro
Ermäßigt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung.
An der Abendkasse gibt es keine Ermäßigung.
Alle Preise sind Endpreise. Vorverkauf über Reservix und EasyTicket.
Mit
Susanna Yeghoyan
Übersetzerin des Romans
aus dem Armenischen
Barrierefreiheit
Die Liederhalle ist barrierefrei zugänglich. Aufzüge und barrierefreie Toiletten sind vorhanden.
Parken
In der Tiefgarage der Liederhalle stehen Parkmöglichkeiten zur Verfügung.
Fotoaufnahmen
Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.



