Blick über Jerewan mit dem Berg Ararat im Hintergrund

Literatur · Buchpräsentation und Gespräch

Jerewan

Eine Stadt zwischen Erinnerung und Entwurf

Foto: Serouj Ourishian · CC BY-SA 3.0

Mkrtitsch Armen · Jerewan

Ein wiederentdeckter Roman über Stadt, Erinnerung und Fortschritt

Samstag, 24. Oktober 2026 · 14:00 Uhr

Silcher-Saal · Liederhalle Stuttgart

Mit Susanna Yeghoyan

Was bleibt von einer Stadt, wenn man sie neu erfinden will?

Jerewan in den 1920er Jahren. Die junge sowjetische Hauptstadt soll vermessen, abgerissen und neu gebaut werden. Aus verwinkelten Gassen, Lehmhäusern, Gärten und alten Quartieren soll eine moderne Metropole entstehen.

Der Architekt Arschak Budarjan kehrt aus Leningrad zurück, um an diesem neuen Jerewan mitzubauen. Doch je näher er seiner Aufgabe kommt, desto grundsätzlicher wird die Frage, vor der er steht.

Muss Fortschritt das Alte beseitigen – oder kann eine moderne Stadt aus ihrer eigenen Erinnerung heraus entstehen?

Die Stadt als Erinnerung

Jerewan wird zum Protagonisten

Mkrtitsch Armen macht daraus keinen nüchternen Architekturroman. Sein Jerewan lebt.

Straßen scheinen sich zu bewegen, Häuser besitzen beinahe ein Eigenleben, Erinnerungen überlagern die Gegenwart, Traum und Wirklichkeit gehen ineinander über.

Teestuben und Badehäuser, Innenhöfe und Gassen, Kamelglocken, Musik und vertraute Formen einer alten Stadtwelt tauchen noch einmal auf – oft gerade in dem Augenblick, in dem sie bereits verschwinden.

Das alte Jerewan wird bei Armen deshalb nicht lediglich beschrieben. Es wird zu einem Klang- und Erinnerungsraum.

Mkrtitsch Armen
Mkrtitsch Armen · 1906–1972

Der Autor

Mkrtitsch Armen

Schriftsteller · Drehbuchautor · Journalist

Mkrtitsch Armen, mit bürgerlichem Namen Mkrtitsch Harutyunyan, wurde 1906 in Alexandropol, dem heutigen Gjumri, geboren.

Er studierte Filmdrehbuch am Gerassimow-Institut für Kinematographie in Moskau und arbeitete zunächst als Lehrer in sogenannten „Lesehütten“, die der Alphabetisierung dienten.

Früh veröffentlichte Armen Romane und Kurzgeschichten. 1937 wurde er jedoch als sogenannter „Volksfeind“ verhaftet und nach Sibirien verbannt. Acht Jahre verbrachte er dort in Haft und Verbannung.

Nach seiner Rehabilitierung setzte er seine literarische Arbeit fort. Er schrieb Romane, Novellen, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte und arbeitete außerdem als Journalist und Drehbuchautor.

1972 starb Mkrtitsch Armen in Jerewan.

Ein Roman gegen das Vergessen

Verboten, vergessen, wiederentdeckt

Mkrtitsch Armen begann Jerewan 1927. Der Roman erschien 1931.

Bereits kurz darauf geriet das Werk unter politischen Druck und wurde 1932 verboten. Seine Mehrdeutigkeit, seine ästhetische Eigenständigkeit und sein Interesse an der kulturellen Identität der Stadt passten nicht zu einer zunehmend eindeutigen sozialistischen Fortschrittserzählung.

Jahrzehntelang blieb der Roman weitgehend vergessen. Erst im 21. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt; 2016 erschien erneut eine armenische Ausgabe.

2026 erscheint „Jerewan“ erstmals in deutscher Übersetzung.

Damit kehrt nicht nur ein bedeutender literarischer Text zurück. Wieder hörbar wird auch eine Stimme aus einer Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist: Wie kann eine Moderne entstehen, ohne ihre eigene Erinnerung zu verlieren?

Susanna Yeghoyan
Susanna Yeghoyan · © privat

Die Übersetzerin

Susanna Yeghoyan

Übersetzerin · Germanistin

Susanna Yeghoyan studierte Germanistik in Armenien sowie Übersetzen und Dolmetschen in Graz.

Heute lehrt sie am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft in Graz im Fachbereich Russisch.

Sie übersetzt Literatur aus dem Armenischen ins Deutsche.

Mit „Jerewan“ hat sie einen sprachlich außerordentlich anspruchsvollen Roman erstmals für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich gemacht.

Armens Sprache ist bildhaft, rhythmisch und ironisch, geprägt von Perspektivwechseln, Traumsequenzen und überraschenden Brüchen. Die Übersetzung macht gerade diese Eigenheiten auch im Deutschen erfahrbar.

Stimmen zum Buch

Über „Jerewan“

Deutschlandfunk Kultur · Stephanie von Oppen

„Die bildreiche und kreative Sprache des studierten Drehbuchautors Armen entwickelt einen geradezu filmischen Sog.“

Buchkultur · Alexander Kluy

„Ein Buch, das Jerewan auf die Karte der Hochliteratur setzt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung · Tilman Spreckelsen

„Jerewan, das alte und das neue, haben durch Armen ein Denkmal erhalten, wie es lebendiger kaum vorstellbar ist.“

Leitmotiv 2026 · „Siehe, ich mache alles neu“

Kaum ein Buch im Programm der Armenischen Kulturtage 2026 berührt das Leitmotiv so unmittelbar wie „Jerewan“.

Die Stadt soll neu werden. Alte Häuser werden abgerissen, Straßen neu gezogen, neue Formen des Wohnens und Lebens entworfen.

Doch Mkrtitsch Armen stellt schon vor beinahe hundert Jahren die entscheidende Gegenfrage:

Was geschieht, wenn das Neue nur entstehen kann, indem das Gedächtnis des Alten ausgelöscht wird?

Sein Roman entscheidet sich weder für Stillstand noch gegen Veränderung. Er sucht nach etwas Schwierigerem: nach einer Moderne mit Erinnerung.

Denn eine Stadt besteht nicht nur aus Gebäuden. Sie besteht aus Geschichten, Sprachen, Geräuschen, Beziehungen und Erinnerungen.

Das Neue muss nicht aus dem Vergessen entstehen. Es kann aus Erinnerung wachsen.

Das Buch

Mkrtitsch Armen · Jerewan

Autor

Mkrtitsch Armen

Titel

Jerewan

Übersetzung

Aus dem Armenischen von Susanna Yeghoyan

Nachwort

Susanna Yeghoyan

Verlag

Guggolz Verlag · Berlin · 2026

Umfang

347 Seiten · gebunden

Literatur · Buchpräsentation und Gespräch

Termin, Ort und Karten

Termin

Samstag, 24. Oktober 2026
14:00 Uhr

Mkrtitsch Armen · Jerewan
Buchpräsentation und Gespräch mit Susanna Yeghoyan

Veranstaltungsort

Silcher-Saal

Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle
Berliner Platz 1
70174 Stuttgart

Karten

Vorverkauf 12 Euro · ermäßigt 7 Euro · Abendkasse 14 Euro

Ermäßigt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung.

An der Abendkasse gibt es keine Ermäßigung.

Alle Preise sind Endpreise. Vorverkauf über Reservix und EasyTicket.

Mit

Susanna Yeghoyan
Übersetzerin des Romans aus dem Armenischen

Barrierefreiheit

Die Liederhalle ist barrierefrei zugänglich. Aufzüge und barrierefreie Toiletten sind vorhanden.

Parken

In der Tiefgarage der Liederhalle stehen Parkmöglichkeiten zur Verfügung.

Fotoaufnahmen

Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.

Eine Veranstaltung der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Guggolz Verlag im Rahmen der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026 .