Abschlusskonzert · Armenische Kulturtage Stuttgart 2026
Vom alten Klang zum neuen Licht
Geistliche Chormusik zwischen Bach, Silcher und Vahram Sargsyan
Die Camerata Vocalis, der Kammerchor der Universität Tübingen, gestaltet unter der Leitung von UMD Philipp Amelung das Abschlusskonzert der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026.
Am Sonntag, 25. Oktober, erklingt in der Lutherkirche Bad Cannstatt ein Programm, das musikalische Traditionen verschiedener Jahrhunderte miteinander ins Gespräch bringt.
Im Zentrum stehen Choräle von Johann Sebastian Bach, Werke von Friedrich Silcher, Orgelmusik und Kompositionen des armenisch-kanadischen Komponisten und Vokalkünstlers Vahram Sargsyan.
Das Konzert führt damit vom historischen Choral und der württembergischen Chortradition bis zur zeitgenössischen Musik. Nicht als bloße Abfolge unterschiedlicher Epochen, sondern als musikalisches Gespräch über Erinnerung, Weitergabe und Erneuerung.
Der Chor
Camerata Vocalis
Der Kammerchor der Universität Tübingen verbindet ein stilistisch weitgefächertes A-cappella-Repertoire mit internationaler Konzerttätigkeit und zeitgenössischer Chormusik.
Die Camerata Vocalis wurde 1973 vom damaligen Universitätsmusikdirektor Alexander Šumski gegründet. Einen besonderen Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten die Musik der Ostkirche sowie die Wiederentdeckung und Aufarbeitung von Musik aus oberschwäbischen Klöstern. Aus dieser Arbeit entstanden mehrere Einspielungen.
Konzertreisen führten das Ensemble bereits früh weit über Tübingen hinaus. Einen besonderen Akzent bildeten Reisen auf den afrikanischen Kontinent, bei denen der Chor neben eigenen Konzerten auch im Rahmen von Chorleiterseminaren als Demonstrations- und Arbeitschor mitwirkte.
Nach 27 Jahren an der Spitze des Collegium Musicum übergab Šumski die Camerata Vocalis 1999 an seinen Nachfolger Tobias Hiller. Unter seiner Leitung entstanden weitere CD-Aufnahmen; Konzertreisen führten unter anderem in die Niederlande, nach Belgien, Irland, Marokko, Brasilien, in die USA und nach Kanada.
Seit April 2011 liegt die Leitung in den Händen von UMD Philipp Amelung. Unter ihm setzt die Camerata Vocalis ihre umfangreiche Konzerttätigkeit im In- und Ausland fort. Zu den Reisezielen gehörten unter anderem Israel und Palästina, Brasilien, Schweden sowie Sachsen mit Auftritten in der Leipziger Thomaskirche und der Dresdner Kreuzkirche.
Auch Griechenland ist zu einem wiederkehrenden Ziel des Ensembles geworden. Im Sommer 2026 unternahm die Camerata Vocalis erneut eine Konzertreise nach Griechenland.
Der Chor besteht zu einem großen Teil aus Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen. Sein musikalischer Schwerpunkt liegt auf anspruchsvoller A-cappella-Literatur verschiedener Epochen. Zeitgenössische Werke und neue Kompositionen gehören selbstverständlich zum Repertoire.
Durch internationale Konzertreisen, CD-Aufnahmen und Rundfunkproduktionen wirkt die Camerata Vocalis seit mehr als fünf Jahrzehnten als musikalische Botschafterin der Universität und der Stadt Tübingen.
Künstlerische Leitung
UMD Philipp Amelung
Universitätsmusikdirektor · Chor- und Orchesterdirigent
Philipp Amelung begann seine musikalische Laufbahn bereits im Alter von acht Jahren im Tölzer Knabenchor. Anschließend studierte er Gesang, Chorleitung und Orchesterdirigieren an der Musikhochschule München.
Als Chor- und Orchesterdirigent arbeitete er mit zahlreichen Ensembles und Orchestern, darunter den Münchner Symphonikern, den Karlsbader Symphonikern und der Mährischen Philharmonie Olmütz. Von 2001 bis 2005 war er kommissarischer Leiter des Münchener Bach-Chores.
Weitere wichtige Stationen waren die Schola Cantorum Leipzig sowie das Leipziger Vocalensemble. Einen besonderen Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildet die geistliche Chormusik.
Seit April 2011 ist Philipp Amelung Universitätsmusikdirektor der Eberhard Karls Universität Tübingen. Dort leitet er die Camerata Vocalis, den Akademischen Chor und das Akademische Orchester.
Mit diesen Ensembles verbindet er die musikalische Arbeit an der Universität mit Konzertreisen, internationalen Begegnungen und einem Repertoire, das historische Meisterwerke ebenso umfasst wie weniger bekannte und zeitgenössische Musik.
Programm
Stimmen über Jahrhunderte
Johann Sebastian Bach
Choräle
Friedrich Silcher
Chorwerke
Vahram Sargsyan
Ausgewählte Kompositionen
Orgel
Orgelwerke
Erinnerung und Gegenwart
Wenn Tradition weiterklingt
Ein Choral lebt davon, dass Menschen dieselbe Musik immer wieder neu singen.
Die Noten mögen über Jahrhunderte erhalten bleiben – doch keine Aufführung ist dieselbe.
In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Abschlusskonzert: zwischen der geistlichen Musik Johann Sebastian Bachs, der württembergischen Musiktradition Friedrich Silchers und einer zeitgenössischen Klangsprache, wie sie Vahram Sargsyan entwickelt.
Komponist · Dirigent · Vokalkünstler
Vahram Sargsyan
Armenien · Kanada
Vahram Sargsyan, auch Vahram Sarkissian, ist ein armenisch-kanadischer Komponist, Dirigent und experimenteller Vokalkünstler.
Seine Musik verbindet zeitgenössische Kompositionsverfahren mit Elementen früher armenischer und anderer musikalischer Traditionen, Improvisation, erweiterten Vokaltechniken und ungewöhnlichen Formen der Aufführung.
Seine Werke wurden in mehr als dreißig Ländern Europas, Asiens und Nordamerikas aufgeführt.
2023 erhielt er den Jules Léger Prize for New Chamber Music des Canada Council for the Arts. 2024 wurde er in Laval vom Conseil des arts et des lettres du Québec als Artist of the Year ausgezeichnet.
Zu den Auftraggebern seiner Musik gehören unter anderem der Norddeutsche Rundfunk, CBC Radio und Oxford University Press.
Die Stimme als Instrument
Für Vahram Sargsyan ist die Stimme nicht nur Träger eines Textes. Sie wird selbst zum Klangkörper.
Neben Komposition und Dirigieren beschäftigt sich Sargsyan intensiv mit experimentellen Vokaltechniken: Mehrklängen, obertonbasierten Klängen, extremen Registern und weiteren erweiterten Formen des Singens.
Diese Arbeit präsentiert er international in Konzerten, Vorträgen und Workshops. 2026 stellte er seine künstlerische Praxis unter anderem bei der PODIUM Choral Conference and Festival in Victoria sowie beim World Symposium on Choral Music in Macao vor.
Seine musikalische Ausbildung begann am Staatlichen Konservatorium Jerewan, wo er Komposition und Chorleitung studierte. Anschließend setzte er sein Kompositionsstudium an der McGill University fort.
Leitmotiv 2026 · „Siehe, ich mache alles neu“
Tradition ist nicht das Gegenteil des Neuen. Sie kann sein Ausgangspunkt sein.
Die Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026 fragen immer wieder danach, wie Neues entstehen kann, ohne Herkunft, Erinnerung und Überlieferung bedeutungslos werden zu lassen.
Am letzten Abend wird diese Frage hörbar.
Ein Bach-Choral lebt nicht deshalb über Jahrhunderte, weil er unverändert in einem Archiv liegt. Er lebt, weil Menschen ihn immer wieder neu singen.
Auch musikalische Tradition bleibt dort lebendig, wo Künstlerinnen und Künstler ihre Formen kennen, sie ernst nehmen und daraus eine Sprache für ihre eigene Gegenwart entwickeln.
„Siehe, ich mache alles neu“ bedeutet deshalb nicht, dass das Bisherige verschwindet. Das Überlieferte beginnt neu zu sprechen.
Abschlusskonzert
Termin, Ort und Eintritt
Termin
Sonntag, 25. Oktober 2026
Einlass: 17:30 Uhr
Beginn: 18:00 Uhr
Abschlusskonzert der Armenischen Kulturtage Stuttgart 2026
Veranstaltungsort
Lutherkirche Bad Cannstatt
Martin-Luther-Straße 54
70372 Stuttgart-Bad Cannstatt
Eintritt
Eintritt frei
Um Spenden wird gebeten.
Chor
Camerata Vocalis
Kammerchor der Universität Tübingen
Leitung
UMD Philipp Amelung
Komposition
Vahram Sargsyan
Programm
Bach-Choräle · Werke von Friedrich Silcher · Kompositionen von Vahram Sargsyan · Orgelwerke
Veranstaltungsort
Lutherkirche Bad Cannstatt
Martin-Luther-Straße 54
70372 Stuttgart-Bad Cannstatt
Fotoaufnahmen
Während der Veranstaltung entstehen Fotoaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg. Wer nicht aufgenommen werden möchte, sagt uns dies bitte vor Beginn.



